Das klassische Hexenfest in der „Walpurgisnacht“

Verfasst von: Dipl. Päd. u. Theaterpädagogin Selena Plaßmann
Zauber-Hexe
Zauber-Hexe  Bild: Selena Hildebrand
Wenn die Erde nach dem Winter wieder erwachte, feierten die Kelten Beltane, das Fest der Fruchtbarkeit und des Lebens. Mit Beginn der Christianisierung wurde diese alte Tradition verboten, weil die darin überlieferten Botschaften mit dem Christentum rivalisierten. Die englische Ägyptologin und Anthropologin Margaret Murray (1862-1943) hat in ihrem Buch „The Witch Cult in Western Europe“ Hexerei als einer alten Religion zugehörig erklärt, die keltische Wurzeln in sich trägt.

Die Umwidmung der Festkultur und die Verkehrung des Hexenglaubens entstammen weitgehend den Kirchenbüchern. Walburga, Schutzpatronin der Bäuerinnen und Mägde, wurde im Mittelalter am 1. Mai heilig gesprochen und sollte vor Hexerei schützen. In den ursprünglich keltischen Gebieten Großbritanniens; Irland, Schottland, und Wales wird Beltane noch immer gefeiert. Ein Feuer- und Freudenfest, um die Wiederkunft der Sonne zu würdigen. Der Zeitpunkt markiert einen Übergang in dem die „ Dies - und die Anderswelt“ als besonders durchlässig gelten. Es ist die mystische Nacht der magischen Handlungen um einen Traum in die Realität zu überführen. Geheimnisse und Heiligtümer wurden von Nigromanten mit Beerenhecken und Elementenenergie geschützt, durch deren Pforten nur Eingeweihte Zugang erhielten.

Beltane-Feuer (Bild: Selena Hildebrand)

Die Kulthandlungen finden an ausgewählten Orten statt. Im inneren Steinkreis von Stonehenge berechnen Eingeweihte heute noch Planetenkonstellationen.Weiße Magie beruft sich auf die Verehrung der Göttin, die den patriarchalisch geprägten Religionen vorausgegangen ist. Natur galt als heilig, wurde nicht ausgebeutet oder zerstört, sondern weise behütet. Der Pfad der weißen Magie impliziert nicht manipulierend - oder vom Ego beherrscht -, in Geschehnisse einzugreifen. Diese Magie gehört den Räumen der Mystik an. In der Beltane-Nacht wurden auf Hügeln und Waldlichtungen Feuer entzündet und unter dem weiten Sternenhimmel vereinigten sich Liebespaare. Der Sonnengott mit Hirschgeweih wurde erwartet, um die heilige Hochzeit zwischen Gott und Göttin zu vollziehen; In dieser Nacht der Mysterien verband sich nach alten Brauch der Hirschkönig, mit einer Priesterin der Göttin. Die Liebe des auserwählten Paares sollte - dem Mythos nach - Zeitspannen und Welten überdauern.

Die Göttin die dem Land die Fruchtbarkeit schenkte, segnete diese Liebesnacht. Bei einer Empfängnis erhob sie ihren Anspruch auf das wahrhaftige Kind. Ihr zur Verehrung wurden Häuser, Ställe und Wege mit frischen Kräutern, Blumen und Birkenzweigen geschmückt. Der Sonnengott sollte mit seinem Wagen über das Land fahren um die Dunkelheit zu vertreiben und die Natur zum Wachstum anzuregen. Auf mineralischer Ebene erscheint die Sonne in Gold. In Tiergestalt wird sie mit dem Hirsch in Verbindung gebracht. Von Merlin dem keltischen Magier heißt es, er habe in der Wildnis zusammen mit Wölfen und Hirschen gelebt. Der ungezähmte, empfindsame Geweihträger weiß um die Geheimnisse der Wurzeln und heilender Kräuter.

Die Tradition der aus England stammenden Hexen nennen sich Wicca. Die moderne Hexe führt in der Regel ein Doppelleben um ihre Gaben vor Manipulation oder Missbrauch patriarchalischer Strukturen zu schützen. Sie übt leichte Berufe aus, ist bewandert in Darstellungskunst, Dichtkunst oder Astronomie. Zu besonderen Anlässen feiern Hexen um Erfahrungen und Wissen schwesterlich zu teilen. Dabei spielt die Kochkunst eine Hauptrolle. Zutaten für raffinierteste Speisen sind naturbelassen und artgerecht. In der „Walpurgisnacht“ wird gern ein aphrodisierendes Getränk aus Waldmeister verkostet. Waldmeister verströmt seinen zarten Duft in lichten Laubwäldern. Theas „Kochbuch für Hexen“ enthält eine Fülle heilspendener - und verführerischer Hexenmenüs. Auch ein Geheimrezept; vergoldete Himbeeren um eine wundervolle Ehe zu segnen.

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